demnächst weitere berichte und informationen
2010: Das Garchinger Blasorchester auf Tour
Am 1. Oktober, pünktlich um neun Uhr morgens brach eine muntere Gruppe - Musiker, Familienangehörige und Freunde des Garchinger Blasorchesters – zur diesjährigen Orchesterfahrt auf: Schöneck im sächsischen Vogtland war das Ziel der Reise.
Unser erster Halt war Mödlareuth, bekannt als „Little Berlin“ – ein kleiner Ort, der auf bayerischem und thüringischem Boden liegt und von 1966 bis 1990 durch eine Mauer getrennt war. Keine noch so ausführliche Dokumentation kann die Eindrücke und Gefühle vermitteln, die entstehen, wenn man selber in diesem Ort steht.
Am frühen Nachmittag kamen wir im Hotel an, herrlich auf 800 m gelegen mit einem eindrucksvollen Panoramablick. Neben ausgezeichneten Frühstücks- und Abendessensbuffets stand uns eine tolle Badelandschaft zur Verfügung, in der wir dann am Samstagnachmittag versuchten, wenigstens ein paar Kalorien der leckeren Gerichte zu neutralisieren. Einige Frühaufsteher schafften es sogar noch am Sonntagmorgen vor dem Frühstück (!), das Bad zu nutzen.
Doch kaum waren die Koffer ausgepackt, ging es zur nächsten Besichtigung nach Wohlhausen zu Hüttel’s Musikwerke-Ausstellung. Frau Hüttel führte uns durch die Sammlung von Grammophonen, Orchestrions, Konzertorgeln und vielen anderen Instrumenten, die sie uns mit viel Witz und Enthusiasmus erklärte und vorspielte.
Abends stand uns im Hotel ein geräumiger Raum zur Verfügung, in dem wir musizieren durften. Wir hatten zwar mit dem Handicap zu tun, dass bei einigen Instrumenten die ersten Stimmen nicht besetzt waren, doch dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Orchesterleiters Norbert Kutta, der uns im Notfall mit seiner Trompete unterstützte (also eigentlich immer), gelangen uns doch zwei „Konzertabende“, die uns viel Applaus einbrachten - zugegeben, das Publikum haben wir ja selbst mitgebracht. Alle hatten wir viel Spaß beim Musizieren und für unseren Busfahrer Schorsch spielten wir an jedem Abend sein Lieblingsstück „La Paloma“, weil er uns die ganzen Tage über wieder einmal bestens durch das Land chauffierte.
Am Samstag brachen wir nach Karlsbad in Tschechien auf, zwar verzögerten einige Umleitungen die Fahrt, doch hatten wir dabei die Gelegenheit, die wunderschöne Gegend zu genießen. In Karlsbad angekommen, promenierten wir entlang der Kuranlagen, kauften die berühmten Karlsbader Oblaten, tranken Kaffee – einige im berühmten Grandhotel Pupp - und ein paar ganz Mutige probierten das Heilwasser aus den zahlreichen Quellen, das angeblich so gegen ziemlich alles hilft, was der Mensch so haben kann. Auf der Rückfahrt nach Schöneck zwang uns eine nirgends eingetragene Brücke, die für unseren Bus leider ein wenig zu niedrig war, erneut zu einem kleinen Umweg. Doch die auf der Karte eingezeichnete Landstraße war nicht mehr als ein geteerter Forstweg und als es auch noch zu nieseln begann und wir durch menschenleere Wälder reisten, wurde es still im Bus. Groß war dann die Freude, als wie ein paar Häuser entdeckten – doch die Gesichtsausdrücke der Bewohner vermittelten uns den Eindruck, dass hier noch nie ein Bus gefahren war. Das abendliche „La Paloma“ hatte sich unser Busfahrer Schorsch redlich verdient!
So war es nicht schwer, uns noch zu einer Einkehr in einer kleinen Privatbrauerei in Erlbach zu bewegen, bevor wir uns im hoteleigenen Badepark austobten.
Und schon war der Sonntagmorgen gekommen, die Rückreise stand auf dem Programm, doch zuvor ging es noch nach Schneckenstein zur „Grube Tannenberg“, dem höchstgelegenen und kältesten Besucherbergwerk Sachsens. Mit viel Humor führte uns ein Bergmann in den Stollen und erläuterte uns die Geschichte des Bergbaus. Eine besonderes Erlebnis war für uns alle das Musizieren mitten im Bergwerk an einem riesigen Hohlraum mit See (leider durften die beiden einsamen Klarinetten nicht mitspielen, da die Feuchtigkeit das Holz zerstört hätte) – da kam echte Gänsehaut auf, selbst unser Führer war vom „Steigermarsch“ sehr beeindruckt.
Auf der Rückfahrt wurde im „Weihnachtsland“ in Stützengrün ein Stopp eingelegt und wir hatten die Möglichkeit, uns mit Weihnachtsartikeln von Christbaumkugeln über Räuchermännchen und Schwibbögen einzudecken. Nach einer Stärkung im Brauereigutshof Wernesgrün wurde der Weg zurück nach Garching eingeschlagen.
Wohlbehalten und mit vielen unterschiedlichen Eindrücken und Erlebnissen kamen wir am Abend wieder zuhause an. Ein riesengroßes Dankeschön an Norbert und Cornelia Kutta, die diese Reise geplant und erkundet haben, und an alle, die organisatorisch mitgewirkt haben, für diese tolle Orchesterfahrt!
2009: Bläserfahrt in den Thüringer Wald
Freitag, 2. Oktober gegen 8 Uhr.
Noch schnell ein kurzer Blick auf die Wetterprognose im Videotext für das nördliche Franken und den Thüringer Wald – Temperaturrückgang auf 12 Grad bei zunehmender Bewölkung und gelegentlicher Schauerneigung –
Also jeder seinen Regenschirm in den Koffer, Notenständer, Flügelhorn und Notenmappe sowieso. Um neun Uhr ist pünktlich Abfahrt zum dreitägigen Ausflug mit dem Blasorchester Garching – aber – ohne die große Trommel!
Am Steuer sitzt, wie viele Jahre schon unser Schorsch, eine Bus-fahrerlegende. Begleitet und hilfreich unterstützt von seiner Frau. Das Getränkedepot ist gut gefüllt, vor allem mit dem köstlichen Hopfengold aus der Hallertau.
Die Autobahn nimmt uns auf wie ruhiges Fahrwasser; die Gelegenheit für eine kurze, aber herzliche Begrüßung von Organisator, Reiseleiter und Dirigent Norbert Kutta. Unser Nahziel ist die Wallfahrtskirche Vierzehn Heiligen. Noch näher ist allerdings ein guter Schluck zum Frühschoppen und für die Abstinenzler bietet Cornelia Gummibärchen und Zuckermäuse an.
Killi juckt das alles nicht: er braucht eine Mütze Schlaf nach der letzten Wiesnnacht, damit sich die Blässe im Gesicht verflüchtigt.
Kloster Banz ist linksseitig schon zu erkennen, kurz vor der Abfahrt von der Autobahn Richtung Vierzehnheiligen. Zwei barocke Kleinode des Obermain.
Die Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen wurde von dem berühmten Architekten Balthasar Neumann erbaut und erst vor wenigen Jahren umfassend renoviert. Vom 15. Jahrhundert bis heute streben Wallfahrer nach Vierzehnheiligen, einem der bekanntesten Wallfahrtsorte, um den Schutz der 14 Nothelfer zu erbitten.
Einer von ihnen hilft auch den Blasmusikern. Es ist der hl. Blasius dem ich eine Kerze stifte. Beim frostigen Gang um die Kirche darf er gerne noch mal helfen mit seinem „nachhaltigen“ Blasiussegen.
Fast unbemerkt ist aus Franken Thüringen geworden. Keine Grenze und kein Wachtturm mehr. Was sind wir alle froh!
Doch der Mensch ist auch ein hungriges Wesen und denkt zu gern an Verlockendes: Thüringer Bratwurst zum Beispiel. Das Mikrophon reißt mich aus den Gedanken. Norbert kündigt das nahe Sonneberg an mit seinem weltberühmten Spielzeugmuseum. Und im Besonderen Herrn Krumholz, einem Relikt aus alten und vergangenen Holzschnitzer Zeiten.
Und da steht er nun vor seinem Auto. Ein freundlicher älterer Herr, der alles vorbereitet hat. Auf dem Autodach stehen bunt bemalte Spiel-zeugfiguren – große und kleine. Im Kofferraum in papiergefütterten Schachteln die besonders wertvollen Stücke. Herr Krumholz begleitet uns durch das Museum.
Nun wissen wir auch, wie Spielzeug vor 500 Jahren aussah! Kennen Puppenköpfe aus Biskuitporzellan, zart im Teint und liebreizend im Ausdruck. Haben Miniaturen von Liliputanern aus Brotteig gesehen. All dies und noch vieles mehr konnte man im Deutschen Spielzeugmuseum entdecken.
Für die Älteren von uns wird der Besuch des Museums zu einer Reise in die Kindheit, wo wir viel Bekanntes wiederentdecken, mit dem wir selbst einmal gespielt haben.
Zurück in der frischen Luft auf dem Weg zum warmen Omnibus kommen wieder ganz irdische Gedanken, die seltsamerweise bei der Bratwurst enden. Aber weit und breit keine Grillstation…
Dann eben Hopfengold pur.
Schorsch muss kräftig in die Eisen steigen und durch unzählige Kurven manövrieren. Wir haben die Autobahn längst hinter uns, dafür Natur pur. Dichte Wälder, kleine Dörfer und stetig bergauf Richtung Neustadt am Rennsteig. Kurz vor der Ankunft am Sonnenhotel Kammweg fängt es zu tröpfeln an. Begrüßung und Schlüsselverteilung durch die jungdynamische Hotelleiterin erfolgt im Bus, bis jeder zugibt einen Zimmerschlüssel zu haben.
Und nach dem Essen wird musiziert. Aber heute nur die Standards!
Samstag, Tag der Deutschen Einheit und somit Feiertag.
Neun Uhr Abfahrt nach Rudolstadt zur Heidecksburg.
Majestätisch über der Stadt thront die mächtige dreiflügelige Barockanlage der Heidecksburg. Das Schloss entstand in der zweiten Hälfte des 18.Jh. auf den Trümmern eines 1735 abgebrannten Renaissance-schlosses und war bis 1918 die Residenz der Fürsten von Schwarzburg - Rudolstadt. In ihrem Inneren birgt die Heidecksburg architektonisch und kulturhistorisch wertvolle Kostbarkeiten. Glanzpunkt ist der Festsaal, der zu den schönsten des deutschen Rokoko zählt.
Hier hätten wir die Akustik, die gestern abends bei der Probe so sehr gefehlt hat – wir könnten die Nummer 253 spielen - den Marsch Hoch Heidecksburg… die freundliche und kompetente Museumsführerin entschädigt uns mit „Hoch Heidecksburg“ vom Band und Friedel bittet Renate zum Tanz.
Großartig die Sonderausstellung 250 Jahre Porzellan: Menschen-bilder 1900 – 2000. Künstler arbeiten für Thüringer Porzellanmanu-fakturen, besonders bemerkenswert mit den Figuren von „Rococo en miniature“. Und eine Bildergalerie über mehrere Stockwerke. Die Zeit ist knapp bemessen. Ein Blick von der Burgmauer auf Rudolstadt muss genügen.
Wir sind angemeldet in der Watzdorfer Erlebnisbrauerei in Bad Blankenburg. Kühl, nüchtern, blitzblank und alles gefliest – es riecht nicht sehr nach „Erlebnis“. Auch der Braumeister nicht wenn er doziert „…durch anfeuchten des Getreides wird die Keimung angeregt, damit die benötigten Enzyme gebildet werden …, die entstandene Maische durchläuft verschiedene Temperaturstufen…, um die Stärke in der Maische in vergärbaren Zucker umzuwandeln…“
Kurz gesagt, das Bier hat gut geschmeckt, ist allerdings appetit-anregend. Für Abhilfe ist gesorgt auf Burg Greifenstein in der Burg-schänke. Die Plätze sind vorbestellt und Schorsch quält den Bus die schmalen Serpentinen bis zu einem abschüssigen Parkplatz hoch und nach einer deftigen Brotzeit wieder den steilen Berg runter. Flott geht es zurück zum Hotel am Rennsteig.
Norbert hat für die abendliche Musikprobe den Wirt des Gasthauses Hubertus begeistert und wir mit unserer Musik alle Gäste. Ein fröhlicher und gelungener Tagesabschluss.
Sonntag; Abfahrt 9 Uhr mit Ziel: Glasfabrik in Lauscha. Typische Mittelgebirgslandschaft; waldreich mit schmalen, tiefeingschnittenen Tälern und schiefergedeckten, eng zusammenstehenden Häusern. Dem Glas auf der Spur, so der Anspruch bei der geführten Information in der Farbglashütte mit Bild und Ton, sowie einer Werkschau der Glasbläser. Dann tauchen wir ein in die unzähligen Artikel aus buntem Glas in den Verkaufsräumen. Und wenn´s auch nur ein paar Christbaumkugeln werden…
Mit der zerbrechlichen Fracht im Gepäck steuern wir unser letztes Ausflugsziel an: das Festspielhaus in Bayreuth. Die Täler werden weiter, die grauen schiefergedeckten Häuser seltener und schließlich verlassen wir Thüringen. Wenn es auch nur zwei Tage waren und wir nur einen Bruchteil er-“fahren“ und erleben konnten, war es doch sehr sehenswert.
Bis wir die Rückseite des Festspielhauses erreichen ist es ein paar Minuten nach Zwei. Alles verriegelt und verrammelt…kein Mensch zu sehen durch die verglaste Fassade. Ich vertreibe mir die Wartezeit mit gesummten Wagnermelodien aus Fliegendem Holländer und Ring der Nibelungen. Endlich: „Hagen von Tronje“ steht zur Führung bereit. Unnachsichtig und noch viel weniger einsichtig. Es herrscht der Wagnersche Geist, der eigene Zeitbegriffe definiert – zehn Jahre Wartezeit für eine Eintrittskarte. Da waren wir mit einer Stunde warten gut bedient, allerdings auch mit dem Informationsgehalt der Führung. Der gesamte Zuhöhreraum als Resonanzboden, das ist einfach genial. Als wir den Orchestergraben verlassen, ist uns allen klar: lieber in Tracht mit Hut beim Feuerwehrfest in Hochbrück.
Wir schwimmen auf der Autobahn Richtung Garching und meine Gedanken gehen rückwärts von Vierzehnheiligen über Sonneberg zum Rennsteig, nach Rudolstadt mit Heidecksburg, nach Lauscha und allem was dazwischen war.
Norbert hat mit seiner Auswahl den Reiz gesetzt, Thüringen in die engere Wahl zu nehmen, um es behutsam zu entdecken. Die Mitte Deutschlands mit seinen historischen Städten und seiner reichhaltigen Geschichte. Der Geheimtipp: neben Goethe gibt es in Weimar ein Bratwurstmuseum…
Karl-Friedrich Dyck
2008:Das Garchinger Blasorchester auf Reisen
Unser Zauberspruch für die dreitätige Fahrt in den Schwarzwald heißt: Neun Uhr Abfahrt! Alles andere ist organisiert. Abfahrt also um 9 Uhr am Freitag. Feiertag. Tag der deutschen Einheit. Das Wetter herbstlich kühl und trüb.
Norbert Kutta (im weiteren Text N.K.), Leiter der Musikschule Garching und des Blasorchester, stimmt uns auf die Reise eine. Schorsch der Busfahrer freut sich auf die Fahrt mit uns; er kennt die musikalische Gruppe seit vielen Jahren und hat auch diesmal ein holledauer Bierschmankerl im Gepäck. Es ist Frühschoppenzeit.
Die „Jugend“ erinnert sich an fröhliche Schulbuszeiten und belegt selbstverständlich die hinteren Plätze. Kein Spruch bleibt unkommentiert, der Wortwitz überragt. Kili übernimmt Verantwortung – er zapft ein Minifass.
Kurz vor Ulm runter von der Autobahn und zwanzig Minuten Pause an einer Rastanlage. Zeit für einen Espresso.
Entlang der immer kleiner werdenden Donau, eingegrenzt von steilen und felsigen Rändern, stimmt uns N.K. auf Blaubeuren und den Blautopf ein. Ein kurzer Spaziergang – zur Vorsicht mit Schirm – vorbei an schönen Fachwerkhäusern geht es zur alten Nagelschmiede und zum 21 Meter tiefen Blautopf. Die tiefste und größte Quelle Deutschlands. Unbedingt sehenswert die gotische Klosterkirche. Wie schön mag hier ein Bläserquintett klingen?
Unser nächstes Ziel ist Beuron.
Im Tal der jungen Donau liegt das 1077 als Augustiner Chorherrenstift gegründete Kloster. Für den kunstsinnigen Betrachter ist das Miteinander von barocker Baukunst der Hauptkirche und der 1898 angegliederten Kapelle als Raum für die vielverehrte Beuroner Pieta im „Beuroner Stil“ von einmaliger Bedeutung. Kurz den Regenschirm aufspannen und die mittelalterliche Holzbrücke, ein Meisterwerk der alten Handwerkskunst, besichtigen. Ein kleiner Hunger nagt irgendwo – es ist Feiertag und alle Läden dicht.
N.K. erklärt über das Bordmikrophon den unterschiedlichen Baustil der Wohn- und Bauernhäuser von Schwaben und Württemberg. Wir werden aufpassen. Im Bus ist es verdächtig still geworden. Auch die „MP3-Freaks“ lassen sich mit geschlossenen Augen berieseln.
Im Kreisverkehr vor Donaueschingen werden wir wachgeschüttelt, den der Schorsch im jugendlichen Übermut forsch angefahren ist. Am Tagesziel freut sich Herr Käfer, der Hotelier, auf unseren Besuch. Cornelia verteilt die Zimmerschlüssel und verkündet die Essenszeit. Zeit wird´s!
Gerd straft jeden, der von „lecker Essen“ spricht - es war guad - basta. So gestärkt können wir eine Orchesterprobe überstehen und dann in lockerer Runde bei Bier und Wein den Tag ausklingen lassen.
Der Zauberspruch für den neuen Tag – 9 Uhr Abfahrt! Auf dem Plan steht der Besuch der Brennerei Ritter auf dem von 1440 stammenden Rotbauernhof. Wir schließen uns der Hausphilosophie an – „der moderne Edelbrenner überlässt alles der Natur, aber nichts dem Zufall“ – und probieren die guten Schnäpsle. Der Hochschwarzwald überrascht uns mit dichtem Schneefall rund um den Feldberg in Richtung Titisee, dem heilklimatischen Kurort auf 850 m. Gerade richtig für die Regeneration nach feuchtfröhlicher Runde am Vorabend und der Schnapsprobe. Es ist Mittagszeit und der Appetit reicht von Aal geräuchert bis Zander gebraten oder soll es doch eine Schwarzwälder Torte sein? Bei der Abfahrt in Richtung Bad Säckingen ein Blick durch das trübe Busfenster auf den Titisee. Vielleicht später einmal, bei schönerem Wetter.
„Die Wolken fliehn, der Wind saust durch die Blätter, ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld…“ so der Text vom Trompeter von Säckingen. Aber auf dem Parkplatz angekommen lichtet sich der Himmel und ein freundlicher Museumsführer wartet auf uns. Die Türe wird hinter uns abgesperrt. Ganz exklusiv und erstklassig vorgetragen die Führung für uns.
Von der Naturtrompete aus dem Jahr 1664 bis in die Jetztzeit. Von der Leihgabe berühmter zeitgenössischer Trompeter bis zum ältesten noch blasbaren Alphorn aus der Schweiz. (Der Chronist ist bestärkt in der Ansicht, das richtige Instrument gewählt zu haben; vielleicht etwas mehr üben…)
Und weil auch inzwischen die Sonne scheint, begleitet uns der Führer zur längsten gedeckten Holzbrücke in Europa aus dem 18. Jahrhundert. Ein großartiges Bauwerk.
Schwäbische Hausmannskost wartet im Hotel auf uns und heimischer Federweiser für den ersten Durst. Die Trompeter waren hörbar beflügelt bei der abendlichen Probe, so forsch klang das neue Stück „Triomfa“ bislang noch nie. In geselliger Runde geht ein schöner Tag zur Neige und morgen wird der Zauberspruch wieder heißen – 9 Uhr Abfahrt!
Unser Hab und Gut im Bus verstaut, wollen wir einen Blick in den Donauursprung wagen. Die Herren und Damen zu Fürstenberg wollen das zwar verhindern, aber N.K. kennt den Hintereingang. Nun ja – bis zur Donaumündung muss das Rinnsal kräftig zulegen.
Der Hochschwarzwald zeigt sich von seiner alpinen Seite. Steile Schluchten und enge Straßen führen uns nach Triberg. Wie Schwalbennester kleben die Häuser an den steilen Hängen. Die als Wasserfall getarnte Guttach sehen wir im vorbeigehen. Wir sind angemeldet im Musikinstrumenten Museum und werden von der fachkundigen Führerin erwartet. Die Räume sind erfüllt von der Musik der Orchestrien. Lebensgroße bewegliche Figuren trommeln, pfeifen und blasen vor malerischer Kulisse. Drehorgeln und selbstspielende Klaviere sind zu bewundern. Eine bedeutende Uhrensammlung ist zu bestaunen, sowie eine Übersicht über die Entwicklung der Trachten bis hin zu einer verwinkelten Bergwerkswelt.
Der Bus wartet. Die Fahrt führt uns zum Rheinfall bei Schaffhausen.
Aus luftiger Höhe bietet sich eine imposante Draufsicht auf einen tosenden Fluss - mehr Gischt als Wasser – in vielen Stufen herabstürzend. Mit uns staunen hunderte von Besuchern.
Beschaulicher und verträumt hingegen die nächste Sehenswürdigkeit, das Kloster Birnau am Ufer des Bodensees. Die Basilika und Wallfahrtkirche ist ein barockes Juwel. Die Lage unvergleichlich. Eine herrliche Kulisse aus Kirche, glitzernder See und frisch angeschneite Berge.
Die Fahrt nach Hause ist weit. Cornelia füttert uns zum Trost mit Gummibärchen, Zuckermäusen und alles, was Kinder eben gerne naschen. Die „Jugend“ plant einen Überfall auf den nächstbesten McDonald und deckt sich mit „lecker Chicken“ ein. Vom holledauer Bierschmankerl wird kaum etwas übrig bleiben.
In der Erinnerung hingegen wird vieles hängen bleiben: eine ungezwungene, kameradschaftliche Musikantengruppe zwischen 18 und 75. Ein Reiseleiter und Organisator der uns Perlen der näheren Heimat gezeigt hat. Und ein wehmütiger Schorsch, der uns gerne auch noch weit über das Rentenalter hinaus chauffieren will. Und Cornelia hortet schon Zuckermäuse für die nächste Reise.
Karl-Fr. Dyck
2007:Garchinger Blasorchester - Auf Berlintour mit Sightseeing und Choralspiel
Garchinger Blasorchester - Auf Berlintour mit Sightseeing und Choralspiel Norbert Kutta ist schon lange Garchinger Bürger. Berlin - seine Geburtsstadt - lässt ihn aber nicht los. Und so hat er nach 10 Jahren zum 2. Mal sein Blasorchester in den Omnibus gepackt und in Deutschlands Hauptstadt geführt. Am 30. September 2007 fuhren wir mit 21 Musikern und ebensoviel Begleitpersonen um 8 Uhr an der Musikschule los. Mit einigen Zwischenstopps, worauf unser korrekter Buslenker Schorsch aus Mainburg besonders Wert legte, erreichten wir um 16 Uhr das Hotel Carat in Berlin-Reinickendorf. Erste Eindrücke vor der Ankunft (alte AVUS-Rennstrecke, Funkturm, ICC-Zentrum usw.) wurden von Norbert gleich im Vorbeifahren erläutert. Nach Instrumenten Auspacken und Zimmer-Bezug drängte er uns sofort wieder in den Bus. Denn das Reichstagsgebäude musste noch vor Dunkelheit dran glauben. Vorbei an den neuen Hauptstadtbauwerken am Spreebogen (Kanzleramt, Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth- Lüders-Haus) erreichten wir die immer noch lange Menschenschlange am Reichstag. Eine halbe Stunde später - nach von Flughafen her gewohnter strenger Kontrolle - standen wir auf der überraschend großen Dachterrasse des Reichstags. Sowohl von hier als auch von der 47 m hohen Glaskuppel über dem Plenarsaal genossen wir den ersten Blick auf Berlin von oben mit dem greifbar nahen, in der Dämmerung wunderschön beleuchteten Brandenburger Tor.
Viele Absperrungen im Zentrum gleich am 1. Tag, da der Berlin-Marathon gerade zu Ende gegangen war, und auch am 4. Tag (dem 3. Oktober, Tag der deutschen Einheit)!
Aber durch Norberts Lokal-Kenntnisse fanden wir immer wieder Bus-Schleichwege. Am Abend des Reisetages genossen wir (Norberts Geheimtipp!) noch vorzügliche asiatische Kost in einem riesigen China-Restaurant jenseits der nördlichen Stadtgrenze Berlins: Die Himmelspagode in Hohen Neuendorf, ein 3-geschossiges rundes Bauwerk, das dem Himmelstempel von Peking nachempfunden ist.Der 2. Tag in Berlin begann mit einem Besuch des total umgebauten Olympiastadions mit jetzt 74.000 Sitzplätzen. Dann startete ein musikalisches Bildungsexperiment: Wir besuchten die Karl Schuke Orgelbauwerkstatt in Berlin-Schönow. Der Orgelbaumeister Frank Rossow entpuppte sich als exzellenter Didaktiker, zugleich mit dem Trost für die Garchinger Bläser, dass die klassische Orgel auch "nur" ein Blasinstrument ist. Da gibt es zahlreiche Holz- und Metallpfeifentypen, gedackt und ungedackt. Wer hätte aber als Blechbläser oder Flötist oder Saxophonist (wie der Berichtschreiber) gedacht, dass alle metallene Orgelpfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung gefertigt werden? - Nach dem Fachunterricht in Instrumentenbau ging es zunächst in den Westteil der Stadt: Kurfürstendamm, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Europacenter u. a., dann Shopping und Essen im KaDeWe in der Tauentzienstraße, dem größten Kaufhaus Europas. - Im (ev.) Berliner Dom konnten wir zufällig um 18 Uhr an einer Abendandacht teilnehmen und hatten dadurch das Glück, den fantastischen Klang der Orgel zu erleben, der nach Passau größten Kirchenorgel der Welt. Norbert Kutta wollte uns noch schnell demonstrieren, dass Berlin in allem führend ist in Deutschland, auch in der Anzahl der Dome. Also fuhr uns der Schorsch zum Gendarmenmarkt, wo der Deutsche und der Französische Dom stehen. Später erwischten wir auch noch von der Straße "Unter den Linden" einen Blick zur St.-Hedwigs-Kathetrale, sozusagen als katholischen Dom Berlins, erbaut seinerzeit von dem Protestanten Friedrich dem Großen. - Den Abend des 2. Tages verbrachten wir in der vom Krieg einigermaßen verschont gebliebenen ältesten Berliner Kneipe "Zur letzten Instanz" in der Waisenstraße im Bezirk Mitte - bei nur Alt-Berliner Spezialitäten, wie Eisbein mit Erbspürree u. ä.
Der neue Potsdamer Platz wurde am 3. Tag zunächst unser Ziel: Mauerreste, prächtige Verwaltungshochhäuser, wie z.B. das der Deutschen Bahn, Sony-Center, die Arkaden. Alles betrachteten wir auch von oben von der Aussichtsplattform des 100 m hohen DaimlerChrysler-Quartier. Anschließend erforschten wir den neuen Berliner Hauptbahnhof (früher Lehrter Bahnhof). Als "Brotzeitlokal" hatte dann Norbert das praktisch nur Einheimischen bekannte Rogacki in Charlottenburg ausgesucht, ein riesiger Laden mit sehr gutem Stehimbiss incl. schöner Fischtheke.
Höhepunkt dieses Tages und der ganzen Berlinreise war dann ab 16 Uhr die Diamanten-Hochzeitsfeier von Norbert Kuttas Eltern in der Evang. Christophoruskirche in Berlin-Siemensstadt. Es war eine echte Trauungszeremonie, wobei die Choralmusik von der Orgel und dem Garchinger Blasorchester ausgeführt wurde. Nicht nur unser Auftritt in der Kirche hat uns viel Freude gemacht, sondern besonders auch das fantastische Büffet im Gemeindesaal, wo wir auch zur Unterhaltung aufspielten. -Am 4. Tag, dem 3. Oktober, nahmen wir Abschied von Berlin durch den Grunewald, vorbei am Wannsee und machten noch einen Abstecher nach Potsdam. Den Park Sanssouci hatten wir aus Zeitmangel nicht im Visier. Wesentliches über die dortigen und umliegenden zahlreichen preußischen Schlösser erläuterte uns Norbert während der Fahrt. Unser Besuch in Potsdam über die bekannte Glienicker Brücke galt ausschließlich dem Schloss Cecilienhof im Neuen Garten nahe der Havel. Das Schloss wurde anfangs des 1. Weltkriegs im englischen Landhausstil erbaut für das Kronprinzenpaar des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Die Frau des Kronprinzen Wilhelm war Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin. Bekannt wurde dieses Schloss nach dem 2. Weltkrieg, weil dort 1945 im sogenannten Potsdamer Abkommen zwischen Truman, Churchill (Attlee) und Stalin Deutschlands Teilung entgültig besiegelt wurde. - Ab Potsdam suchten wir dann den Weg zurück nach Bayern, um 20 Uhr waren wir in Garching. - Alles in allem - ein tolles Erlebnis. Der Schorsch hat uns tadellos chauffiert. Cornelia Kutta hat mitorganisiert und die lebende Busladung ständig mit süß&sazligem Proviant wachgehalten. Und Norbert Kutta spielte den unverwüstlichen Reiseleiter perfekt. Ohne ihn wäre Berlin kaum eine Reise wert gewesen.
Dr. Friedrich Zörgiebel
